Alligatoah – Schlaftabletten & Rotwein 3 – Review
Ein ernster Zeitgenosse, der von Beginn an für die Gestaltung der Zerberster.org Webseite verantwortlich ist, rief vor circa zwei Tagen meine göttliche Wenigkeit an, um mir gewohnt stoisch zu verkünden, dass eine weitere, äußerst belanglose Zusendung in seinem überfüllten Briefkasten zu finden sei.
Dieser freundliche Soziopath weiß, dass ich die letzten trivialen CD-Einsendungen und hochdotierte Angebote – für eine enge, fast jungfräuliche Zusammenarbeit mit Magazinen – vehement ablehnte. Welch ein gebildeter, formgewandter Mensch möchte denn schon an einem sonnigen Urlaubstag am Strand liegend mit unrelevanten Exkrementen, verpackt in einem physischen Tonträger, akustisch unbefriedigend penetriert werden, während eine attraktive Dorfmatratze mit ansehnlichen Brustimplantaten meinen feudalen und groß gewachsenen….ich schweife vom Thema ab.
Rappers.in war der dreiste Absender, der Übertäter, der auch für die aktuelle CD-Veröffentlichung der „Alligatoah“ Terrorgruppe verantwortlich ist und genau für diese stadtbekannten Internetganoven nahm ich mir ausnahmsweise ganze zehn Minuten (in dieser Zeit verfasse ich an manchen Tagen einen ganzen Roman) um eine steifschwänzige und literarisch großbrüstige Rezension mithilfe meines erschwinglichen 1800 € „Sony Vaio Z“ zu formulieren. Es lebe der Kapitalismus (Materialismus ebenfalls, siehe Foto)!
Urteil: Gewöhnungsbedürftig!
Beim ersten halbherzigen Durchhören der CD verwunderte mich der immense Qualitätsunterschied im Vergleich zu Alligatoah’s letztem Konzeptalbum (In Gottes Namen), das von mir in höchsten Tönen gelobt und nach meiner unschätzbaren Meinungsäußerung von potenziellen Schläfern und Terroristen in Deutschland als nächtliche Wichsvorlage verwendet wurde. Auch nach mehrmaligem Durchhören inklusive herkulischem Alkoholkonsum ist ein roter Faden – wie das britische Entführungsopfer „Maddie McCann“ – kaum auffindbar und wer den Humor des leicht gestörten „Kaliba69“ kennt, wird ihn auf dieser Platte nur leicht kitzelnd im Darm der Glückseligkeit (suchet ihr Ungläubigen) verspüren.
Ich war sichtlich enttäuscht, verprügelte am gleichen Abend kurzerhand einen erstaunten Saunabesucher, der ungläubig und voller Liebe und Freudenfeuer auf meine vier Pfund Fleischpeitsche zwischen meinen stahlharten Beinen gaffte und fühlte mich trotz des gebrochenen Kiefers meines Blut spuckenden Gegenübers, meiner kostbaren und unersetzbaren Lebenszeit beraubt.
An Kreativität mangelt es dem verwirrten „Kaliba69“ in keinem Fall, siehe Track „Kunst des Bitens Reloaded“, auf dem der ehemalige Abiturient, altbekannte und potenziell behinderte Künstler wie „Casper, Haftbefehl, Blumio“ und viele weitere glanzvoll parodiert und mir wieder einmal sein sprachliches Talent aufs neue beweist.
Die Aufnahmequalität für eine independent Produktion ist tadellos, die Aufmachung und das Design des Artworks gefallen dem Betrachter vom ersten Blick an, nur wird an manchen Stellen klar, dass die Terrorcrew „Alligatoah“ in den letzten zwei Jahren erwachsener & reifer geworden ist und sich so langsam vom „Terroristen“ Image lösen sollte; denn egal wie närrisch und belustigend eine Handvoll Textstellen sind, es (Image) wirkt wie der Posten eines Verteidigungsministers: „Nicht lange haltbar“.
Kaliba69 & sein handzahmer und treuer Kamerad (DJ Deagle) für die musikalische Untermalung haben sich meiner Ansicht nach leicht zurückentwickelt. Gesangstechnisch ist alles „noch“ auf einem amateurhaften aber ersprießlichem Niveau, nichts desto trotz müsste Kaliba69 für zukünftige Musikprojekte mehr Zeit & Geduld in die Ausarbeitung seiner Gesangsstimme investieren, denn ich vermute dass diese Aktie (Gesang) dem Label „Rappers.in“ als auch „Alligatoah“ in den nächsten Jahren vielmehr Dividende ausschütten wird; nur ein kleiner Investment-Tipp am Rande.
Die Beats unterstreichen eigentlich nur noch meine Auffassung, dass hier ohne ein besonders durchdachtes Konzept am Longplayer hantiert wurde, denn die Beschaffenheit der Instrumentale sind für einen durchschnittlich minderbegabten und eindimensionalen HipHop Konsumenten eine zu schwere Kost und könnten unangenehme Magenverstimmungen und frotzelnde Sitzungen auf dem altbewährten Lokus (Für ganz besonders beschränkte Nachwuchsidioten: „Toilette“) verursachen.
Alligatoah Fans (Sonderschüler, Muttersöhnchen, U-Bahnschläger, Guttenberg) werden nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ihren Spaß – wo auch immer – finden und im Großen und Ganzen sollten sich die Interpreten, nach einem kräftigen Morgenschiss auf der Bahnhofstoilette zusammen setzen und gründlich darüber nachdenken wie sie ihr Persönlichkeitsbild in der nächsten Veröffentlichung gewinnbringend und zeitgemäß verpacken.
Trotzdem, ein bemerkenswert ideenreiches, ridiküles und überdurchschnittliches Album, das sich von der „gesunden“ Maße abhebt und die Gesellschaft gelegentlich aus der Perspektive eines Skimaskenträgers beschreibt.





