Lektion gelernt?! – Kolumne Nr. 3
Kennt ihr das vielleicht auch? Man wacht mitten in der Sommernacht, schweißtriefend und orientierungslos auf und stellt verstört fest, dass diese liebliche Gemahlin mit der eine Konversation im Tiefschlaf geführt wurde, nichts weiter als nur eine Nachgeburt meiner Illusionen war, nur ein Phantasiegebilde meiner geistreichen Wunschvorstellung? Folglich versucht man ungenügende Einzelheiten wieder ins Gedächtnis zu rufen und hält fest, dass diese hoffnungslose Nachforschung nur spärliches ans Tageslicht bringt. Aber was soll die ganze Jammerei, man kann ja erfahrungsgemäß nicht alle haben, leider!
Der Abend sollte sehr unangenehm enden!
Wie an jedem anderen Tag, zeigten sich mir die freundlichen Sonnenstrahlen gnädig und entschlossen sich meinem athletischen Körper, der in voller Köstlichkeit unter der Dusche stand, einen wohltuenden und arbeitsreichen Tagesanbruch zu wünschen. Frisch geduscht, braun gebrannt und gut gelaunt, durchleuchtete ich Luft trocknend die zahlreichen Fanbriefe in meinem Kontor und stattete daraufhin in fesselnder Männer Bekleidung, meiner freudenleeren Therapeutin eine hassenswerte Stippvisite ab, von der sie immer schwer schluckend einige ruhige Minuten in Anspruch nehmen musste, um wieder gerade auf den Beinen zu stehen. Ich vergötterte diese hochgeschätzte Frau, auch wenn sie mir nach jeder Therapiesitzung feinfühlend ans Herz legte, schnellstmöglich den auf mich wartenden Notausgang zu wählen. Sie meinte, dadurch würde ich vielen Menschen in meinem sozialen Umfeld einen titanischen Gefallen tun und sie freue sich schon auf den Tag, an dem sie auf meinem Monument urinieren dürfe. Sie hat Humor die hübsche reife Dame, die sich auch hin und wieder meine zweckentsprechenden Gerätschaften für nächtliche Aktivitäten mit ihrem Ehegenossen ausborgt.
Nachdem die streichelzarten und zufrieden gestellten Sexpartnerinnen von letzter Nacht ihren wohl verdienten Frühstück aufgezehrt und meinen Ratschlag befolgt hatten, der sehr geehrten Toilettenschüssel auch etwas vom Festmahl abzugeben, verwaltete ich meinen Twitter Account und folgte den Aktivitäten der liebreizenden „Julia Smith“ (Name musste geändert werden) die mich tagtäglich bat, ihr bei Twitter zu entfolgen. Scheinbar steht nicht jede Frau auf einen psychopathischen Liebhaber, der die Schenkel einer Frau gut zu stimulieren weiß. Schade!
Interview Termin!
Mein Terminkalender der mir bis zum Oktober keinen freien Tag zum ausspannen zuschwor, erinnerte mich, auf den Knien flehend, gefälligst pünktlich zum Interview Termin in München zu erscheinen. Wir möchten ja nicht respektlos sein (Schizophrenie), denn wie schon ein berühmter Alkoholabhängiger aber arbeitsfähiger Schriftsteller während eines geräuschvollen Stuhlgangs, lautstark verkündete: „Kommt nicht früh der Morgenschiss, kommt er Abends ganz Gewiss“! Bis Heute versuche ich dieses Zitat zu analysieren, sehr anspruchsvoll diese versoffenen Romanschriftsteller der 60er Jahre.
So galoppierte ich wie ein stolzer, wild lebender Mustang in der Prärie los! Schnappte mein AMG Autoschlüssel, ergriff das essentielle Smartphone aus der Flurschublade, schrieb der „Julia Smith“ (die immer noch nicht genannt werden möchte) eine kurze aber wirkungsvolle Liebesbekundung und tänzelte in aufsehen erregender Haltung aus meiner bescheidenen 187 Quadratmeter Wohnung, hinaus in die Zivilisation. Ich weiß, ist einwenig klein geraten, sehr beschämend wenn die eigene Wohnung nicht der Größe des eigenen Egos entspricht. Zwei angenehme Fahrstunden später erreichte ich die Gemeinde Pullach im Isartal, eine faszinierend schöne Gegend Münchens und wurde beim betrachten der Luxusimmobilien auf zwei laienhafte New Era Cap Träger scharfsichtig, die bei einem Körpergewicht von 50 Kilogramm, den Mumm aufbrachten, ausgedehnte XXL Muskelshirts abzutragen. Ich parkte an einer Bushaltestelle, schmiss eine Vielzahl von Tranquillizer in mich rein, stieg aus und stand diesen charakterlosen Muttersöhnchen gegenüber, die mich zu ihrem Hauptquartier begleiten sollten, sich aber die Gelegenheit nicht nehmen ließen, mich mit bösen Blicken zu bezirzen. Das soll also Ghetto Romantik sein, achso! Glücklicherweise wirkten die Tabletten äußerst schnell, so entkamen diese Unwissenden einer äußerst schmerzvollen Zerberstung. Auf die Frage wieso die Schnürsenkel nicht ordnungsgemäß gebunden seien, erhielt ich ein „Is voll cool, ey“ und „Das voll Hustler Style, ey“ als Antwort. Sehr merkwürdig kamen mir die beiden mittlerweile schon vor, denn die Tatsache dass deren ihre gefälschten Diamant Ohrstecker auf der rechten Seite gestochen waren, motivierte mein Schließmuskel unablässig auf der Hut zu bleiben. Ihr kennt den Spruch: „Links cool, rechts schwul“! Ein homosexueller Touch lag unmissverständlich in der Luft, es schmeckte nach Deutschrap. Ohne groß Zeit zu verlieren, flanierten diese beiden George Michael Doppelgänger, die neu asphaltierte Strasse hinunter und irritierten meinen messerscharfen Blick, indem die Baggy Pants (Größe 48), nach jedem vierten Gehversuch zurecht gerückt werden mussten. Ich fragte unverblümt, „Wisst ihr was ein Gürtel ist?“, darauf bekam ich diese aussagekräftige Antwort, „Ja, ein Gürtel ist ein um die Körpermitte getragenes Band, das einen besseren Sitz der Kleidung bietet“. Ab da wusste ich was mit „Strassen Abitur“ wirklich gemeint war.
Die Geburtsstätte der zukünftigen Charterfolge, das Atelier des deutschen Rap, so oder so ähnlich klangen die Worte des lieblich wirkenden Hobbystrichers namens „MC Adolf“ zu meiner linken, der gebannt auf eine Bruchbude starrte, die ungefähr 180 Meter von meinem Fahrzeug entfernt lag. Zwei Tage zuvor versprach man mir ein professionelles Studio in dem mich ein renommierter Sound-Engineer empfangen sollte, der schon mit namhaften Dorfkünstlern wie „MC Heinz“ und „Gesichtselfmeter Deluxe“ zusammen an den Mischpultreglern saß. Unfassbare Referenzen, oder? Schon die kreativen Künstlernamen versprachen mir ungeheuren Hörspaß!
Nun standen wir vor einer baufälligen Ruhestätte, die den ortsansässigen Kunstbanausen auch bei Wind & Wetter ein Treffpunkt bot, um in der eigenen musikalischen Banalität zu schwelgen. Rolfbraten MC, der zu meiner rechten die unbefahrene Hauptstrasse inspizierte, klopfte nach seiner Street Review viermal an die Tür, sprach in vernehmbarer Tonlage einen geheimen Zuhälter Code (Genuss Molch BH) in ein Türschlitz, ging ein Schritt zurück und begann hastig an seinen ungepflegten Fingernägeln zu nagen. Wenige Augenblicke später öffnete sich die Pforte des Grauens und ein nach schweiß riechender Crackjunkie katapultierte sich mit einem „Jooo was geht“, aus dem nicht vorhandenen Türrahmen heraus, um mir ein mit dem Zeige- und Mittelfinger geformtes „Victory“ Zeichen vors Gesicht zu halten. Die Deutschrap Szene schien hier noch ungetrübt, jungfräulich und in Ordnung zu sein. Beim eleganten eintreten, achtete ich penibel darauf mir nicht den Hals zu brechen, denn die Erklimmung hunderter Bierflaschen in einer respektablen Rekordzeit, schien für einen normalsterblichen schier tödlich zu enden. Da bekommt die Redewendung, „Leichen im Keller“ eine ganz neue Bedeutung. Nach reifer Überlegung hatte ich nicht den Reiz verspürt, mich den Anwesenden vorzustellen, die alle gemeinsam ihre Männlichkeit an einer einzigen Taschenmuschi erprobten. Stattdessen beäugte ich den beispiellosen Plopkiller, der aus mehreren Tennissocken bestand und an einem Besen (der als Mikrofonständer fungierte und an einer undefinierbaren Substanz) klebte. Dieser kreative Mikrofonständer sollte normalerweise ein Studio-Mikrofon tragen, doch nach mehreren, Gehirnzellen zerberstenden Gedankengängen entzifferte ich ein antiquarisches aber dennoch funktionstüchtiges Headset (CS10) von Plantronics aus dem Jahre 1999. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die verschimmelten Töpfe und Teller auf dem Urin getränkten Wohnzimmerteppich, ekelerregende Golfball große Küchenschaben beheimateten? Freundlicherweise wurde mir ein Sitzplatz auf einer durchgefurzten Polsterbank „Made in DDR“ zugeteilt und eine selbst gestopfte Zigarette angeboten, die ich dankend ablehnte um in den rar gesäten Spannungsmomenten, „Julia Smith“ über mein Twitter Account (per Smartphone) mit sexuellen Anspielungen zu belästigen.
An den fragmentarischen Wänden hafteten vergilbte Poster von einstigen Bravo Sternchen wie „Aaron Carter“ und den „Spice Girls“ und über dem 12 Zoll TFT-Monitor wedelte ein halb zerrissener Sido Konzert-Flyer, der aus der „Aggro Ansage Nr. 2“ Zeit stammt. Der Sound-Engineer namens „Detlef“ stellte sich nach etwa einer halben Stunde ausgiebig vor und nutzte während seines Vortrags einen halbvollen 10 Liter Eimer für drei spektakulär ungenaue Spuckversuche. Ich kämpfte heldenmütig mit meinem überaus willensstarken Frühstück, der den Weg ans Tageslicht zu erringen versuchte, doch der Sieg war mein. Detlef berichtete leicht erbost über seine ersten sexuellen Geschicklichkeiten mit einem Schäferhund, den er vor 13 Wochen auf einer Autobahn Raststätte für rund 30 € erwarb. Ich sah ihn bemitleidenswert an und fragte: „War denn dein Schäferhund wenigstens gut“, darauf antwortete er „Jo Alter, voll Fett“. Nach dieser informationsfreien Berichterstattung über inhumane Sexpraktiken mit sämtlichen Tierrassen dieser Welt, trafen auch schon die nächsten vier Rapper samt einer überdimensionalen Trümmerfrau ein, um mich mit feuchten Küssen auf die rechte & linke Wange zu begrüßen. Ich fühlte mich wie eine Wasserpfeife in einer gut besuchten Shisha Bar, wie die letzte die noch funktionierte!
In den nächsten zwei Stunden präsentierte man mir unterirdisch schlechte Musikkonzepte und ungemasterte Ejay Arrangements, ohne jegliches Mitleid für den Takt und die Menschenwürde. Das Mannsweib dass rechts neben mir genießerisch die Luft verpestete (akute Blähungen), verwechselte meine Kniescheibe mit einem majestätischen Genital. Sie bemühte sich sichtlich mir optisch zu gefallen, doch auch das Schönsaufen hätte bei ihrem Hundegebiss, das man auch „Gesicht“ nennt, keine positive Wirkung erbracht.
Eigentlich war es ein erlebnisreicher Besuch, auch die Arbeitsweise die aus chillen, kiffen und Biere schlürfen bestand, erfüllte den Bildungsauftrag eines Randgruppen-Bezirks. Für die heutige Jugend waren solche Freizeitaktivitäten sehr vorbildlich und lobenswert.
Leider sollte der Abend etwas anders verlaufen als erhofft.
In dem Moment als mir die psychisch instabile aber großgewachsene Dirne ihre Lieblingsstellung inklusive der vollständigen Sozialversicherungsnummer in mein Ohr hauchte, ertönte mein Smartphone. Der Klingelton der kaum zu überhören war, gab den Song „Randale in der Sonderschule“ von Olli Banjo wieder und dieser Song sollte mir mehrere Tage später noch schlaflose Nächte bereiten. Ich weiß nicht was für einen Kurzschluss die Lyrik dieses Liedes bei den Anwesenden ausgelöst haben könnte, ich weiß nur dass es wirkungsvoll war.
Zitat aus dem Song „Randale in der Sonderschule“: „Warum stürzen sich die schwulen Papageie auf Rentner, warum reden deutsche Kids auf einmal wie ein Ausländer. Jungs, ist das Gruppenzwang oder seid ihr gern behindert, merkst du nicht, du produzierst mehr Scheiße als ein Pferdehintern“.
Dem Detlef riss es nach diesen Zeilen, förmlich die fehlende Gehirnmasse aus der rechten Schädelhälfte heraus, die Angriffslust der infantilen Rampensäue erreichte seinen Gipfelpunkt als der Anführer (MC Heinz) der elitären Gruppe nach Luft schnappte, um mir mit stotternder Aussprache das russische Alphabet (33 Buchstaben) in Kombination mit dem Satz des Pythagoras in einer einzigartigen Leichtigkeit auf zu sagen. Ein bedrohlicher Gewächsraucher, dem alles zuzutrauen war, sang die Ballade vom „Erlkönig“ in einer imposanten Countertenor-Stimme um Mitten in der Vorstellung eine fabrikneue Schultafel aus der Gesangskabine zu ziehen. Jeder einzelne kritzelte unberechenbare Wahrscheinlichkeitsberechnungen, die PQ samt der ABC Formel auf die Schultafel und der Relativitätstheorie wurden noch nie angewandte mathematische Elemente hinzugefügt mit denen die Wissenschaft der Weltformel (Theory Of Everything) einen großen Schritt näher kam. Die Trümmerfrau, die noch kurz zuvor an meiner Kniescheibe die Zähne ausbiss, gab mir verwertbare Styling Tipps und wies mich daraufhin, dass ich mit einem geringen Geldeinsatz ein Vermögen erwirtschaften könnte. Während sie mich von ihren unternehmerischen Fähigkeiten überzeugte, sprang Detlefs 13 Monate alter Schäferhund aus einem Wandschrank und machte deutlich, dass er doch keinen wunden Anus von Detlefs sexuellen Vorlieben davon trug.
Was war passiert? Womöglich hatte ich doch diese eine Zigarette geraucht die mir Detlef vor zwei Stunden anbot, vielleicht war die Dosis der Tranquillizer an der Bushaltestelle viel zu hoch. Trotz meiner schweren Halluzinationen stellte ich den zurechnungsfähigen Anwesenden eine kurze Frage, die ich hätte lieber für mich behalten sollen.
„Was für einen Schulabschluss habt ihr eigentlich?“
Nach dem „eigentlich“ verspürte ich nur einen dumpfen aber gut gezielten Stoß auf meinen Hinterkopf. Nach zwei Tagen auf der Intensivstation und drei flachgelegten Krankenschwestern (bin nämlich Privatversichert) liege ich genau jetzt entspannt auf meinem Big Sofa und gehe dem gut gemeinten Ratschlag des Chefarztes nach, mich zwei Wochen nicht unnötig körperlich zu betätigen. Das Schreiben würde mir helfen die Geschehnisse zu verarbeiten.
Eine Lektion habe ich durch dieses Erlebnis definitiv verinnerlicht.
„Frage nie hochbegabte Akademiker und Hochschulabsolventen nach ihrer Bildung, wenn diese noch eine Gangsterrap Karriere anstreben. Es könnte unschön ausgehen.“
P.S.: „Danke Julia Smith für deinen Anruf auf mein Smartphone! Der Punkt geht diesmal an dich!“
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