Dicke Hose – Der Film – Review
Die katastrophale Spielfilmproduktion von den Komödien-Spezialisten „Miles Terheggen“ und „Henna Peschel“ fängt damit an, dass der fesch gekleidete Hauptdarsteller „Sleepy“ mit Zuhälter-Sonnenbrille auf dem leicht unreinen Nasenrücken, tief sitzend in einem schwarzen Chrysler C300 umherbraust und zufälligerweise einen freudestrahlenden 10-jährigen (geschätzt) Anhalter auf dem Lande aufgabelt, um ihm während einer ausgedehnten Autofahrt die herzbewegende Geschichte seines Aufstiegs zu erzählen.
An dieser Stelle möchte ich nachhacken!
Aus welch einem Grund teilt Sleepy seine nicht ganz jugendfreie Vergangenheit mit einem unschuldigen Minderjährigen?
Hätte nicht auch eine kostengünstige 21-jährige Vorstadtschlampe für den Dreh gebucht werden können? Extrovertierte Myspace-Bitches – die an Vereinsamung leiden und sich vor dem verdreckten Badezimmerspiegel, halbnackt mit einem Vertragshandy ablichten -, gibt es doch zu Genüge, oder? Den Geldbetrag von 10 € für solch eine ungesittete & preisgünstige Edelnutte hätte ich euch auch gerne überwiesen. Wer sich von meiner Aussage angesprochen fühlt, der soll gefälligst weitere unerotische Schnappschüsse im Badezimmer knipsen gehen!
Der Vorspann schien dennoch viel versprechend, bis ….
Sleepy’s Geschichte beginnt mit einem standardisierten Beratungsgespräch auf dem Arbeitsamt, genau dort wo berufliche Laufbahnen und Träume von fortschrittsgläubigen Individuen ihr trauervolles Ende finden; ein wahrer Friedhof voller gutmütiger Menschenseelen. Während dieser Analyse der bestehenden Berufsaussichten und einer gehaltlosen Konversation zwischen Sleepy und dem minderbegabten Berufsberater, stößt der Hauptdarsteller auf eine reizvolle Geschäftsidee, die den Aufbau der darauf folgenden Kapitel maßgeblich beeinflussen wird. Die Planung der bevorstehenden Existenzgründung in „Ottensen“ (Stadtteil des Hamburger Bezirks Altona) besteht darin, eine Ich-AG als Pizzabäcker und Lieferant auf zwei Rädern, ohne große Vorkenntnisse im Gastronomiebereich, mit einem kargen Startkapital von rund 300 € (Monatlich) zu gründen. Die Zuversicht auf eine gesicherte Zukunft im Tausch für ein enormes Risikobewusstsein belebt das Grundprinzip von „Dicke Hose“: Streben nach Glück.
Mit dem Aufbau (Flyerdruck, Namensfindung, Logodesign) & der Planung rücken erste Aufträge näher ins Geschehen, die mit einem eingerosteten Drahtesel, auf äußerst geistesabwesenden Pizzaauslieferungen abgearbeitet werden und so erlebt der unbeugsame Sleepy mit Hamburgs abgehalfterten Bekanntheiten wie Ferris MC, Haak MC, Hellmut Kettner und vielen weiteren unbedeutenden Statisten in Altona & Umkreis, irrsinnige Ereignisse die an Fadheit kaum zu überbieten sind.
Sleepy, gespielt von Marc Wichmann, knüpft mit jeder Pizzalieferung neue elementare Bekanntschaften mit Musikern und verkehrt ab und an mit der gehirnamputierten, kriminellen Unterwelt (Akropolis-Connection) um seinem Ziel (Musikmanager trotz Hauptschulabschluss), ein Stück näher zu kommen.
Kommen wir zur konstruktiven Kritik!
Hand aufs Herz, deutsche Produktionsfirmen überbieten unsere hochgesteckten Erwartungen nur sehr selten mit qualitativ kostbaren Spielfilmen in Breitbildformat, umso ohrenbetäubender verkommen die Hilfeschreie dieses mir vorliegenden, wertlosen Filmmaterials zu einem Chor, um nach einzelnen dargestellten Peinlichkeiten eine schmerzfreie Verbrennung auf dem Scheiterhaufen zu erwinseln. Diese Pressekopie, die mir freundlicherweise zugestellt wurde, beinhaltet während der DVD-Wiedergabe eine rotierende bizarre Aufschrift, die mir und jedem anderen Journalisten, „heftiges Fratzengeballer“ verspricht, falls die Kopie von „Dicke Hose“ durch einen unerklärlichen Datei-Upload ins Internet gelangt.
Wo bleibt eure Professionalität? Welch ein Magazin rezensierte bis zum heutigen Tag solch eine dilettantische Filmproduktion? Solch unverschämte Androhung von körperlicher Gewalt könnte der ausschlaggebende Grund für die mediale Ignoranz gegenüber diesem Low-Budget Projekt sein.
Die restlichen Nebendarsteller, auf die man getrost verzichtet hätte, bestätigen wieder einmal die Äußerungen der Medien, dass überdurchschnittliche schauspielerische Begabungen vom lieben Gott nur sehr wenigen Mitbürgern in Deutschland zugesprochen werden.
Private Schauspielschulen nehmen heutzutage ja jeden musikalisch verstrahlten, geistig zurückgebliebenen Möchtegern-Brad Pitt (siehe Marteria) in ihre heiligen Hallen der Schauspielkunst auf um die oftmals leeren Kassen mit der Dummheit der angehenden – erfolglosen – Schauspieler (siehe Marteria) zu füllen. Nervöse, in der Luft schwebende Denk & Sprechblasen (unsichere Dialoge), eine unendliche Latenz (in der Nachsynchronisation) in der Szene mit dem jungen Anhalter, distanzierte, freudlose Gespräche die womöglich im „Shooting Script“ abwechslungsreich wirkten, in der Realität jedoch den größten Teil der Zuschauer, nach wenigen Minuten bis zum unausweichlichen Fremdscham und somit aus der Kinovorstellung führen dürften. Hier geben sich ehemalige Statisten gegenseitig die feuchten Pfötchen um gemeinsam eines der größten Flops der deutschen Schauspielgeschichte zu feiern, großartig!
In manchen Szenen demonstriert uns der zappelige Kameramann eine leicht zittrige Kameraführung, abgesehen davon liefert fast jeder zweite Camcorder in den deutschen Haushalten eine deutlich bessere Bildqualität. Hinsichtlich der Professionalität wurde zudem am benötigten Equipment (Beleuchtung) gespart und daher auch am falschen Ende. Manche Kulissen wirken zu Dunkel, an manch anderen Stellen wurde bei der digitalen Bearbeitung hemmungslos am Kontrastpegel herumgedreht, grauenvoll! Ernsthaft, „Dicke Hose“ vereint so dermaßen viele zwielichtige Situationen, sodass ich dem Brechreiz nicht nur einmal auf die Toilette gefolgt bin; eine Qual die in mir – bis Heute – suizidale Gedanken hervorruft um möglichst komfortabel von der Verantwortung – „Dicke Hose“ rezensieren zu müssen -, zu entfliehen.
GESCHMACKLOSIGKEIT wird bei „Dicke Hose“ groß geschrieben!
Ein hungriger Anrufer (Haak MC), der beim versenken des verdauten Mageninhalts auf der heimischen Toilettenschüssel eine saftige Knoblauch Pizza bestellt und die Zeche mit einem Pornovideo bezahlt oder Sleepy’s Erzeuger „Harry“, der seinen Sohn im Keller zu einem zweistimmigen Blaskonzert auf seiner Fleischpeitsche ermutigt. Geschmacklosigkeit verschmilzt mit eigenartiger humoristischer Trockenheit, Ergebnis: „Dicke Hose“!
Natürlich geht es in diesem deutschen Streifen überwiegend um die geliebte Musik, Szenen mit einem homosexuellen Anzugschneider oder Sleepys Begegnung mit einem Umschnalldildo in seinem Allerwertesten erhalten dementsprechend genügend Platz zur Entfaltung. Beim Betrachten der fehlerhaften Details, liegt die Schwierigkeit für das zahlende Publikum darin, sich konstant fokussiert auf die Story zu konzentrieren, aus der man mit Sicherheit hätte vielmehr herausholen können.
Zugegeben, Marc Wichmann ist kein überaus schlechter Schauspieler, er bringt seine Späßchen immer zielgerichtet auf den Punkt und weiß sich mit seinem lebenslustigen Slang und einer unverwechselbaren Körpersprache in Szene zu setzen, leider werden die durchschnittlichen Darbietungen sekundenspäter von einer Horde laienhafter Bühnenkünstler im Keim erstickt. Netter kann man es nicht umschreiben!
Der Versuch, eine vorzeigbare Komödie auf die Beine zu stellen ging trotz sichtbaren Kraftanstrengungen aller Beteiligten mächtig in die „Dicke Hose“?
Es ist ein besorgniserregender, teils homoerotisch angehauchter Streifen, den man wenigstens einmal gesehen haben sollte, bei diesem einen Versuch sollte man es dann aber auch belassen.
Fazit: „Der Film ist so schlecht, dass er fast schon wieder gut ist, Respekt!“





